PAPPERLAPAPP-Serie „FÜNF FRAGEN AN … “: CHARLOTTE SPRENGER

 

In Papperlapapp #12 dreht sich alles ums Theaterspielen. Die Welt der Bühne kennt die erfolgreiche junge Regisseurin Charlotte Sprenger bereits von klein auf, beide Eltern sind Theatermenschen. Im Interview erzählt sie von einer tollen Kostümkiste zuhause und wonach sie heute auf der Bühne sucht.


Frau Sprenger, Sie sind als sogenanntes Theaterkind aufwachsen: die Mutter Schauspielerin, der Vater Regisseur. Wie dürfen wir uns das vorstellen?
Natürlich haben meine Schwester und ich ein ganz anderes Verhältnis zum Theater als andere Kinder: Das Theater war immer schon ein selbstverständliches Umfeld für uns, wir haben sicherlich viel mehr Stücke als andere gesehen und verstehen gelernt. Das bringt der Theaterberuf mit sich. Gleichzeitig merkte ich – besonders als ich selber anfing, am Theater zu arbeiten –, wie sehr unsere Eltern uns herausgehalten haben aus dem wirklichen Betrieb. Auch mir war und ist einiges immer noch ein Rätsel. 

Erinnern Sie sich noch, was Sie als Kind am liebsten gespielt haben?
Ich weiß nicht, ob sich unser „Repertoire“ von jenem anderer Kinder großartig unterschieden hat, jedoch hatten wir eine besonders aufregende Kostümkiste. Als Kind habe ich mich sehr gerne verkleidet. Ich wollte aber nie eine Prinzessin sein, sondern hatte Mut zur Hässlichkeit – viel mehr als jetzt wahrscheinlich! 

Faszination Theater: War für Sie immer schon klar, am Theater arbeiten zu wollen? Wann fiel die Entscheidung, Regisseurin zu werden?
Während des Studiums beschloss ich, doch einmal eine Hospitanz am Theater zu versuchen – irgendwie hatte mich zuvor ein Gefühl davon abgehalten. Vielleicht war es die Unsicherheit, da ich nicht genau wusste, welcher Theaterberuf zu mir passen könnte. Selber spielen wollte ich nie ernsthaft, und der Regieberuf kam mir wie eine riesige, nicht zu bewältigende Aufgabe vor. Als ich dann auf der ersten Probe saß, habe ich mich unbewusst sofort dafür entschieden. Erst ein bisschen später, vielleicht mit meiner ersten eigenen Arbeit, war alles klar mit dem Regieberuf: Und dass man als Regisseurin keine Diktatorin sein muss, sondern dass Theater vor allen Dingen mit Zusammenarbeit zu tun hat. 

Welches Stück, welchen Stoff möchten Sie auf der Bühne unbedingt einmal in Szene setzen?
Es gibt viele Stoffe, die mich interessieren. Theater ist ein künstlicher Raum, hier können Dinge passieren, die in unseren „normalen“ Leben keinen Platz haben. Das ist für mich das Schönste am Theater und gleichzeitig ein riesiges Privileg. Man sucht in den Stoffen, glaube ich, auch immer das eigene Leben, die eigenen Sehnsüchte, ja eine eigene, ganz subjektive Realität. Dann trifft diese eigene Realität beim Arbeiten auf die Realitäten der anderen Mitwirkenden: auf die der Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner, Techniker und auf die Realität des Textes, sagen wir mal: auf Shakespeare. Durch diese Reibung von verschiedenen Wahrnehmungen entsteht im besten Fall eine kleine Welt, die auf sehr lebendige Art etwas über die große Welt erzählt. 

Führen Sie im Leben auch gerne Regie? Inszenieren Sie da gerne Feste – Stichwort: Weihnachten steht vor der Tür?
Nein, das überlasse ich sehr gerne anderen! Privat bin ich organisatorisch – sagen wir es freundlich – eher unbegabt. 

Zugabe: Warum stehen manche Menschen gerne auf der Bühne und andere weniger?
Auf-der-Bühne-Stehen hat viel mit Überwindung zu tun. Jeder weiß noch, wie es sich anfühlt, in der Schule ein Referat zu halten. Ich glaube jedoch, dass genau diese Überwindung ein großes Gefühl der Freiheit bedeuten kann. Darin läge auf jeden Fall die Motivation, auf die Bühne zu gehen, die mir einleuchtet.

 

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Charlotte Sprenger, geboren 1990 in Hamburg, studierte Angewandte Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg. 2013­­–2016 feste Regieassistentin am Schauspiel Köln, wo bereits erste eigene Arbeiten entstanden. In der Spielzeit 2016/2017 inszenierte sie die deutsche Erstaufführung von KLEINES von Hannah Moscovitch in der Außenspielstätte am Offenbachplatz des Schauspiel Köln, die sie gemeinsam mit dem Kuratorenteam BRITNEY leitete. Arbeiten am Theater der Keller in Köln, u.a. CLOCKWORK ORANGE nach dem Roman von Anthony Burgess (Auszeichnung mit dem Jurypreis bei den Heidelberger Theatertagen 2018). In der Spielzeit 2017/2018 brachte sie am Schauspiel Köln Jonas Hassen Khemeris Roman ALLES, WAS ICH NICHT ERINNERE zur Uraufführung (Einladung zum Radikal Jung Festival, München). Charlotte Sprenger inszeniert zudem am Landestheater Linz, Thalia Theater Hamburg und Baadischen Staatstheater Karlsruhe.