PAPPERLAPAPP-Serie „FÜNF FRAGEN AN … “: CHRISTIAN KÖBERL

 

Sie leiten das NHM Wien, eines der weltweit größten und bedeutendsten naturwissenschaftlichen Museen. Kann man sagen, Ihre Annäherung an Saurier fand über die Erdwissenschaften und die Untersuchung von Meteoriten statt?
Als Kind haben mich die Saurier nie interessiert. Mich faszinierten die Sterne, später die Raumfahrt, die Mondlandung, die ersten Flüge zu Jupiter und Saturn. Als ich dann in Wien Chemie, Physik und zusätzlich Astronomie studierte, ging ich in der Mittagspause gerne ins Kunsthistorische oder ins Naturhistorische Museum und sah mir jeweils einen Saal genau an. Meine Interessen waren immer schon breitgefächert. Wissenschaftler wurde ich, weil mir diese Tätigkeit Spaß macht. Wenn man so will, von den Sternen kam ich zu den Meteoriten, also den Gesteinen, und so zu den Erdwissenschaften. Mich interessieren ganz grundsätzliche Fragen: Wie funktioniert unsere Welt? Ich will die Herkunft der Materie um uns herum verstehen und auch, wohin die Dinge sich in Zukunft entwickeln.

In unserer Papperlapapp-Geschichte wird der Struthiosaurus austriacus jede Nacht lebendig, klettert aus seiner Vitrine und spaziert durchs NHM. Was würden Sie dem kleinen Stachelsaurier unbedingt zeigen wollen?
Die Meteoriten-Sammlung! Aus zwei Gründen: Ein Riesen-Meteorit brachte nach seinem Einschlag auf der Erde die Dinosaurier zum Aussterben. Meteoriten sind zudem die älteste Materie, die wir auf der Erde haben. Sie sind Zeitzeugen aus der Entstehungszeit des Universums. Im NHM befindet sich die größte Schausammlung der Welt. Ich selbst forschte zum Beispiel in Chicxulub in Mexiko, das ist der riesige „Dino-Killer“-Krater mit einem Durchmesser von 200 km. Aus der Meteoriten-Forschung lernte ich, wie die chemischen Elemente, die auch im menschlichen Leben gebraucht werden, entstanden sind: Sie wurden in Sternen gekocht!

Unsere Geschichte zeigt Ihr Museum als Schauplatz für außergewöhnliche Erlebnisse. Museen sind jedoch auch Orte des Sammelns, (Auf-)Bewahrens, Forschens, der Ruhe – wie schaffen Sie diesen Spagat für das NHM?
Was unsere Besucher hier sehen und erleben können, zeigt nur einen kleinen Teil unserer Tätigkeiten. Zu sehen ist sozusagen nur die Spitze eines Eisberges, auch nur ein Sechstel der Fläche unseres Hauses ist öffentlich zugänglich. Wir haben zudem einen großen Tiefspeicher, um im Haus insgesamt 30 Millionen Objekte aufbewahren zu können, davon 6 Millionen Käfer, neben Meteoriten, Fossilien oder ausgestopften Tieren. Grundsätzlich beruht unser Tun auf drei Säulen: den Sammlungen, der Forschung und der Öffentlichkeitsarbeit. Erst durch das Sammeln und Beforschen unserer Bestände kann ich Ausstellungen konzipieren. In meiner Rolle als Museumsdirektor sehe ich mich vor allem als Naturwissenschaftler, denn nur dieser versteht die Fragen und Probleme, mit denen er hier konfrontiert ist. Die wissenschaftliche Tätigkeit im Haus voranzutreiben ist mir besonders wichtig. Als wissenschaftlicher Geschäftsführer muss ich ein Vorbild sein.

Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm sorgt für Besucherrekorde, im Jahr 2017 kamen mehr als 750.000 Personen ins NHM. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis?
Man muss für eine Sache brennen. Wichtig ist auch die Kommunikation. Für Ausstellungen bedeutet das: schwierige Themen richtig verpacken, hinter interessanten Fragestellungen verstecken. Außerdem bin ich der Meinung, dass Kunst und Wissenschaft sich etwas zu sagen haben. Meine Interessen, beispielsweise auch für Film, seit Studientagen, fließen in unser Ausstellungsprogramm ein. So erreichen wir neue Besucherinnen und Besucher, wenn wir Filmemacher einladen oder zeitgenössische Künstlerinnen für Interventionen. Neben erfolgreichen Ausstellungen wie zum Beispiel über die Entstehung des Universums oder zum Thema Hund und Katz’ entwickeln wir neue Veranstaltungsformate wie Übernachtungen im Museum für Kinder.

Welches Tier mögen Sie am liebsten?
Die Katze. Meine Frau und ich hatten schon mehrere als Haustiere. Katzen sind so herzig, so lieb, intelligent und süß.

 

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Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Christian Köberl, geboren 1959 in Wien, Studium der Technischen Chemie und Physik an der Technischen Universität und der Astronomie an der Universität Wien, Dr.phil.; Professor für Impaktforschung und planetare Geologie am Department für Lithosphärenforschung, Universität Wien; Obmann der Geowissenschaftlichen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; Herausgebertätigkeit für internationale wissenschaftliche Journale; Asteroid 15963 ist zu seinen Ehren „Koeberl“ genannt; seit 2010 Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer des NHM Naturhistorischen Museum Wien.

Forschungsschwerpunkte: Meteoritenkrater – Geologie, Geochemie, Entstehung & Gefahren; Entstehung & Frühgeschichte der Erde; Planetare Geologie, insbesondere Mondforschung; Massensterben in der Erdgeschichte; Kosmochemie; Nuklearchemie u.v.m.